Winteranfang 2006
Hej,
Jetzt haben wir Winter -
nachdem es tagelang geschneit hat, ohne das es richtig kalt war. Zusammengerechnet haben wir eigentlich 70 cm Schnee. Aber dadurch das der Boden doch noch etwas zu warm und der Schnee sich verdichtet hat, sind es jetzt ungefähr 40cm festen Schnee. Heutemorgen gab es dann auch noch die fehlende Kälte. Es waren -16°C. Jetzt über mittag sind es noch -11°C bei strahlend blauem Himmel.
Die Högländer hatten für heute Plusgrade vorhergesagt. Ein Wetterbericht sprach von +5° der andere von -5°. Das Verfallsdatum vom Wetterbericht liegt hier manchmal unter einem halben Tag. Angeblich soll's am Wochenende weiter schneien. Hoffentlich!
Mit dem Quad können wir nicht mehr die Hunde trainieren, weil teilweise zu tiefer Schnee liegt und es zu glatt ist. Für den Schlitten ist es noch zu früh, weil noch keinen Trail gibt. Es kann noch keine Spur gelegt werden, weil der Boden darunter nicht gefroren ist. Wir würden in die Bäche einbrechen oder in Seen und Moor versinken. Da müssen wir uns noch etwas in Geduld üben.
Die Elchjagd ist quasi vorüber. Wir haben letzte Woche zweimal Elch gegessen. Einmal in Norråker im Restaurant und ein anderes Mal waren wir eingeladen. Die Hunde hatten öfter Elch. In den letzten Wochen haben wir mehrfach Elchreste für die Hunde bekommen. Die hatten richtige Fresstage. Das Tagesprogramm lautete von morgens bis abends auschließlich: Elch fressen mit Haut Haaren und Knochen!
Elchjägerin Miranda hatte uns einen halben Elch angeboten. Aber wir hätten ihn selbst zerlegen und portionieren müssen. Leider mussten wir absagen. Allein die Vorstellung in unserer Küche einen halben Elch zu zerlegen, jagt uns einen Schrecken ein. Und auch die Antwort, daß es in Mitteleuropa nicht üblich ist, einen Elch zu zerlegen, überzeugte Miranda absolut nicht. Sie war dann doch etwas beleidigt, daß wir den guten Elch nicht wollten. Es war soviel Fleisch, daß wir beide ein ganzes Jahr lang täglich bis zu 500g Elchfleisch hätten verspeisen müssen.
Die Vögel wollen auch schon gefüttert werden, aber die Läden hatten am vergangenen Wochende noch kein Vogelfutter. Unsere Hunde haben heute das erste Mal ihre winterliche Morgensuppe bekommen. Wir können jetzt keine Wasserschüsseln mehr rausstellen. So schleppen wir seit heute jeden Morgen 40 l Suppe für die 20 Hunde raus. Sie besteht aus gekochtem Lachs, etwas Trockenfutter und guter Butter. Rechnerisch ergibt sich pro Hund 2 l. Aber die Grönis sind manchmal etwas unverschämt. Im vergangenen Winter passierte es, daß sich einer von ihnen sich die Wampe so vollgehauen hat, daß er nicht mehr duchs Schlupfloch ins Hundehaus passte. Er blieb stecken und musste befreit werden.
Abends wir die Hauptmahlzeit sehr flüssig gefüttert, sodaß der Flüssigkeitsbedarf für den Tag und die Nacht ausreichend gedeckt ist. Wenn gelaufen wird, gibts für die "Arbeiter" noch einen Suppennachschlag.
Morgen werden wir uns auf die Einkaufstour begeben, um auch den Hunger der Meisen, Spatzen, Buchfinken, Elstern usw. zu stillen.
Nächste Woche holen wir wieder unsere zweimonatliche Ration Lachs und Trockenfutter für die Hunde ab. Inzwischen haben sich uns einige andere Hundebesitzer angeschlossen, so daß jetzt unser Bus knackevoll geladen ist. Die Anderen kommen sich dann ihre Anteile hier abholen. Wir wollen aber keinen Futterhandel mehr anfangen. Mal sehen, ob uns das auf die Dauer gelingt. Wir haben anscheinend, wie immer, die günstigste Quelle für gutes Futter ausfindig gemacht.
Unser neuer Pellet-Heizungsofen steht zwar im Keller, ist aber noch nicht angeschlossen. Der Heizölvorrat geht dem absoluten Ende entgegen. Aber die Schweden lassen sich wie bei Allem immer viel Zeit. Seit Mai bemühen wir uns um die neue Pellet-Heizung. Der Ofen steht jetzt schon seit vier Wochen hier. Inzwischen hat es das 360kg schwere Teil geschafft, von draußen im Regen in den Heizungskeller transportiert worden zu sein.
Der Installateur war hier um uns einen neuen Herd für die Küche zu liefern und anzuschließen. Bei der Gelegenheit haben wir gemeinsam den Pelletofen in den Keller bugsiert. Er fragte nach unserem Ölvorrat, um uns dann zu vertrösten: "Dann komme ich wenn der Tank leer ist!" Er weiss, daß es dann schnell gehen muß. Sonst friert uns das Hauswasserwerk ein und auch im Nachbarhaus gibt es kein Wasser mehr. Vom Schaden ganz abgesehen.
Er, der Installateur möchte während der Installation abends etwas länger arbeiten. Er fragte uns ob er dann hier übernachten kann, um einmal Ab- und Anreise nach und von Vilhelmina. (100km, eine Richtung) zu sparen. Wir bejahten, machten ihn aber darauf aufmerksam, daß die Kellerwohnung dann verständlicherweise nicht geheizt ist.
Die Rechnung für den Herd haben wir auch noch nicht. Aber das scheint normal. Rechnungen kommen hier immer ungefähr vier bis acht Wochen später.
Den Speicher haben wir auf Rat der kommunalen Energieberater mit zusätzlichen 20cm Glaswolle wärmeisoliert. Nach deren Rechnung zahlt sich diese Investition durch Heizkostenersparnis innerhalb von zwei Jahren aus. Warmwasser kriegen wir dann auch aus unserer Pelletheizung und nicht mehr über Strom. Nachdem Eon den hiesigen Stromlieferanten gekauft hat, wurden ja erstmal die Strompreise erhöht.
Vattenfall, der größte schwedische Stromlieferant gibt als Rechtfertigung für deren abnorm hohen Gewinne an, in Deutschland seien die Strompreise so schön hoch. In Deutschland hört sich das, so glauben wir, anders an. Dort müssen die Energieanbieter ja so teuer einkaufen.
Nichtsdestotrotz ist der Strompreis hier immer noch wesentlich billiger als in Deutschland.
Im September waren hier in Schweden die Wahlen. Wir durften und haben (Land und Kommune) mitgewählt. Es passierte etwas für uns Deutsche Unvorstellbares: Eine Regierung wurde abgewählt, die es geschafft hatte, alle Schulden zu tilgen und seit Jahren Überschuß erwirtschaftete. In Deutschland würde man einer solchen Regierung, die das nur annähernd schafft, die "Füße küssen".
Wenn der Schnee bleibt und es kälter wird, können wir vielleicht schon in zwei Wochen auf den Trail. Aber es kann ja auch wieder warm werden - so wie heute in Deutschland!
Schöne Grüße aus dem winterlichen Lappland
Ursula & Jörg





