Beaver Trap Trail 2007
Ein fröhliches "hej" aus Schweden.
Den ganzen Winter durch, bei allen Touren, die wir unternahmen, haben wir immer die 100km vom Beaver Trap Trail im Kopf gehabt, die es zu bewältigen gab. Aber die schwierigen Wetterbindungen, erst zuviel Schnee, dann Eis, dann zu wenig Schnee, dann zu oft Neuschnee, bestimmten die Häufigkeit und Länge der Touren. Vom gezielten Training waren wir oft weit entfernt. Nur dadurch, daß wir kurz entschlossen einen zweiten Skoter gekauft haben und der viele Besuch in diesem Winter, der uns sehr beim Trailmachen sehr geholfen hat, kamen wir überhaupt noch zum Hundefahren. Aber insgesamt meinten wir, daß die Hunde zuwenige Kilometer gelaufen sind.
Von den neun einsetzbaren Hunden waren acht noch keiner so richtigen Belastungsprobe unterzogen worden. Vier von ihnen sind noch keine zwei Jahre alt. So konnten wir die Leistungsfähigkeit der Hunde nicht so recht einschätzen. Aber auch der Musher wusste nicht, ob er eine solche Distanz durch"stehen" würde. Gemeint ist: "acht bis zehn Stunden auf den Schlittenkufen stehen".
Der einziger erprobte Hund, die Leithündin Beetle fing dann im Februar an zu humpeln. Zwischenzeitlich hatten wir sie probeweise wieder eingesetzt. Da lief sie schon wieder ganz ordentlich, aber am nächsten Tag humpelte sie wieder. Also mussten wir uns schweren Herzens entschließen, sie zuhause zu lassen. Die beiden Youngster, Khan und Klopp mussten die Funktion, das Team anzuführen, übernehmen. Von der Fitness her hatten wir keine Bedenken. Aber würden sie die mentale Belastung, sechs schreiende Grönlandshunde im Nacken, über die Distanz aushalten.
Sie hielten aus und das mit Bravour.
Samstagmorgen: um 3Uhr aufstehen! Für Ursel die größte Leistung am Renntag! Die Hunde haben schnell ihre Suppe bekommen. Nach kurzem Frühstück und letzter Ergänzung der Ausrüstung ging's bei minus 10° zum Startplatz in den Nachbarort Norråker. Der Erste sollte um 6Uhr morgens starten. Die frühe Startzeit war mit den Teilnehmern so abgesprochen, um die morgentliche Kälte nutzen zu können. Für den Tag war Sonne und deutlich über null Grad vorhergesagt. Ausgerechnet als das zweite Gesapnn startete befreite sich Klopp vom Stakeout und rannte wie der Teufel hinterher. Ralf, unser Besuch, der später auch noch starten wollte, rannte sofort hinter Klopp her. Ursel stürzte sich in ihren Volvo und raste los zu der sich noch im Ort befindlichen ersten Straßenüberquerung. Sie hoffte, Klopp dort einfangen zu können. Aber, die Helfer dort sagten:"Zwei Gespanne sind durch, aber ohne einen einzelnen Hund." Konnte ja auch nicht sein, weil der startende Musher sein Gespann nach 500m angehalten, Klopp festgehalten hat und Ralf den Hund übernehmen und zurückbringen konnte. Ralf ist eben gut trainiert. Ich könnt' das nicht. So hat sich die erste Aufregung wieder gelegt.
Am Donnerstag konnten wir beim Start der 3Tagefahrer sehen, wie wenig die Musher mit den schwierigen, weil vereisten Streckenverhältnissen bergab zurecht kamen. Spätestens in der dritten Kurve hat's die schwer beladenen Gespanne umgehauen. Es war wirklich am Rande des Zumutbaren.
Ich habe alle drei Kurven im Startbereich geschafft. Die Mannschaft hatte guten Grund zum Aufatmen. Für mich war das aber nur ein Vorgeschmack, auf das was da noch auf mich wartete. An besagter Straßenüberquerung war erstmal Schluss. Durch die vielen Skoterspuren hatten sich die Leithunde leider ein falsche ausgesucht. Auf der Straße versuchte ich dann, das Gespann über Kommandos auf den richtigen Trail, ein weißes Schneeband auf der Straße, zu bringen. Als die Hunde dorthin kamen, stürzten die Helfer auf die Hunde zu, die sich daraufhin umdrehten und die Straße rauf zu Tankstelle rannten. Ich warf den Anker und wartete. Denn Ursel wollte ja zum 20km entfernten "Parkplatz", die zweite Straßenüberquerung. Es ist die einzige Stelle wo man mit dem Auto nochmal an den Trail kommen kann. Ralf wollte von dort starten, um seine Strecke etwas abzukürzen. Sie mussten dazu an dieser Stelle vorbeikommen. Nach 10 Minuten kamen Ralf und Ursula zu der Stelle, an der ich stand. Sie halfen schnell, das Team zu sortieren und auf den Weg zu bringen. Eine Neckleine gerissen, Vaks lief mal eben frei auf der Straße rum und der Musher hatte schon die Schnauze voll. (Er hätte ganz bestimmt, wenn er gewusst hätte, was die nächsten 10km zu bieten hatten.) Bevor ich eine Meinung äußern konnte, hatten die Beiden mich schon wieder weitergeschickt.
Der Trail forderte alles ab. Crashrisiko: 90%.
Ich dachte nur, wie bringe ich die Hunde zurück oder zum Parkplatz, wenn der Schlitten nur noch Branntholz ist. Mehrfach war ich am Boden und vielfach auf der Kippe. Rechts und links Bäume, unter den Kufen fast nur Eis, vorne diese Wahnsinnigen, die rennen als ob der Teufel hinter ihnen hier ist und hinten drauf ein Musher, der alles versucht. Die Krallenbremse hatte nur schlittenstabilisierende Wirkung, von Geschwindigkeitsreduzierung keine Spur.
Damit die Hunde am Renntag gut draufsind, hatten wir ja - gegen Ursels Willen -
die letzten vier Tage kein Training mehr gemacht. Auch damit wir uns bei den widrigen Wetterverhältnissen auf dem eisigen Trail nicht noch eine Zerrung einhandeln. Die letzte Woche waren wir nur noch spät abends, im Dunkeln gefahren, weil es sonst zu warm war. Auch dann war der Trail schon vereist. Aber dank der vielen Trailarbeit war der in wesentlich besserem Zustand als der Renntrail.
Ja, die Hunde waren wirklich gut drauf!
Nachdem eine längere flache Geradeauspassage kam, konnte ich wieder alles auf dem Schlitten sortieren. Dabei hatte ich bei der rasenden Fahrt das Schild zum Linksabbiegen übersehen. Nach 5km kam ich zu dem Entschluß zu wenden und zurückzufahren. Was auch gut gelang. Ursel kurz übers zufrierende Handy informiert, kam bei ihr nur an:" ...habe mich verfahren ...fahre zurück." Sie verstand: zurück zum Start. So machten sich Helfer sofort auf den Weg, mich zu suchen und Ursel fuhr zurück zum Bus. Als ich dort nicht war, fuhr sie wieder zum Parkplatz, wo ich gerade durch war. Am Parkplatz half Ursel Ralf dann noch beim Start.
Der Rest war nicht mehr so dramatisch und spannend aber weiterhin schwierig.
Bis zum Wendepunkt waren es 54km (inkl. 10km zuviel gefahren). Die Hunde waren gut drauf und liefen kontinuierlich weiter. Immer noch überwiegend Eis unter den Kufen. Das war auch gut so, denn auf den paar Stellen mit Schnee lief der Schlitten überhaupt nicht. Die akurat vorbereiteten Kufen hatte ich mir bereits nach dem Start auf der Straße total ruiniert.
Auf dem Rückweg am Parkplatz nach 75km wartete Ursel, um mir beim Wässern und Snacken der Hunde zu helfen. Das ging alles wie eingeübt. Wie die Amerikaner sagen würden:" Wash, polish and haircut!"
Währenddessen kam eine sehr strapazierte Holländerin mit ihrem Gespann - sechs Sib.Huskies - an. Sie war völlig fertig. Sie liess Schlitten und Hunde einfach stehen und musste erstmal erzählen, was alles passiert war. Ursel konnte beim Wässern gerade noch sehen, wie die Huskies in ihren Volvo einstiegen.
Die Hunde setzten das Rennen ohne Weiteres fort. Die Durchschnittsgeschwintigkeit war für Grönländer immer noch sehr hoch.
Die letzten 10km waren identisch mit den ersten. Aber die Hunde liefen jetzt immer noch flott aber nicht mehr in so wilder Fahrt durch den Wald. So waren die Probleme nicht mehr ganz so groß. Aber da war ja im Wald noch die große Eisplatte in einer Bergabkurve. Ursel erwartete mich, wie mit Handy kurz vorher abgesprochen, kurz vor der Straße am Zieleinlauf mit Ralf, der schon da war. Dabei hatte sie Uli, Rettungsassistent aus Dorotea, mit Kerstin getroffen. Sie hörten Hunde bellen und jemanden schreien hören. Kerstin ist dann ein Stück entgegengelaufen und winkte auch die anderen zu sich. Ein Fünfer-Gespann ohne Musher kam den Berg rauf. Kerstin und Ursel haben das Gespann an den Bäumen fixiert. Uli und Ralf liefen weiter runter. Was war passiert, Uli sagte über Handy, daß ein Musher sich das Bein gebrochen hat. Er war mit seinem Gespann auf der Eisplatte ausgerutscht und mit dem Bein gegen den Baum geknallt. Das Interessante dabei war: ein holländischer Arzt, der in München lebt, wird von einem deutschen Rettungsassistenten, der in Schweden lebt, versorgt. Uli hatt dann schnell alle Rettungsmassnahmen organisiert.
Kurz nach dem Unfall kam ich mit dem Gespann an. Ralf war mir ein Stück entgegen gelaufen, um mich zu warnen, daß der Verletzte auf dem Trail liegt. Ich hielt mein Gespann davor an und wartete bis der Trail wieder frei wurde. Die Hunde schrien nach 95km wie beim Start. Ich dachte: kriegen die denn nie genug? Der Verletzte wurde 200km nach Östersund ins Krankenhaus gebracht und die Hunde von den Helfern versorgt. Rikard, der Rennleiter sagte uns am Samstabend, das er auch noch die Rippen verletzt hat, aber Sonntag wieder entlassen würde. In Schweden geht sowas immer sehr schnell. Hier wird man gleich wieder aus dem Krankenhaus rausgeschmissen.
Zu den Ergebnissen. Unser Team hat die 95km inklusive aller Behinderungen in 7h 50min gelaufen. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12km/h! Der Schnellste war mit Mixed Breeds in 4h 56min, das schnellste Siberier-Team, Nisse Uppström, war in 5h 02min nach 85km im Ziel. Das schnellste Team mit Grönlandshunden war an dritter Stelle nach 95km in 7h 50min da.
Nisse und Karsten Grönas haben in Skandinavien die beiden schnellsten Langstreckenteams mit Siberiern. Getestet auf Femundlopet, Finnmarklopet und Polardistanz.
Unsere Hunde waren im Ziel fit wie ein Turnschuh, was man vom Musher nicht behaupten kann. Aber nicht ganz so tot wie oft auf der Transthüringia nach halber Distanz.
Diese Art Rennen, wozu wir Rikard überredet hatten, war ein Test mit nur fünf Gespannen. Deshalb gab es dafür auch nur inoffizielle Zeiten. Beim 3Tage-Rennen nahmen über 30 Gespanne teil, wovon die Hälfte Nicht-Schweden waren. Rikard und Nisse hat diese Art so gut gefallen, dass er, Rikard, spontan für nächstes Jahr ein Rennen mit 2mal 100km (an zwei Tagen) plant.
Weil während des Zieleinlaufs in Norråker ein Wintermarkt mit vielen Verkaufsständen stattfand, waren dort mehr Zuschauer als bei der Weltmeisterschaft der Offenen Anfang des Monats in Gafsele (120km entfernt).
Wenn man die Zeit der 10km zuviel und die zweimal 10 Minuten, die ich unfreiwillig gestanden hatte, abzieht, ist es eine Laufleistung, die uns sehr begeistert. Heute am Tag danach hat auch keiner gehumpelt - auch der Musher nicht. Er hat aber trotzdem vom Sturz 'nen blauen Hintern.
Für uns ist die Schlittenfahr-Saison jetzt langsam zu Ende. Wir fahren schließlich seit Mitte Oktober auf Schnee. Jetzt fangen wir an unsere Streckenmarkierungen einzusammeln und die Skoter einzumotten. Vor dem ersten Rasenschnitt kommt erst noch der intensive Einsatz der Tauchpumpe, um das Hochwasser aus der Zwingeranlage abzupumpen.
Schöne Grüße aus dem ausklingenden Winter. Auch wenn für diese Woche wieder Kälte und Schnee vorhergesagt sind.
Den ganzen Winter durch, bei allen Touren, die wir unternahmen, haben wir immer die 100km vom Beaver Trap Trail im Kopf gehabt, die es zu bewältigen gab. Aber die schwierigen Wetterbindungen, erst zuviel Schnee, dann Eis, dann zu wenig Schnee, dann zu oft Neuschnee, bestimmten die Häufigkeit und Länge der Touren. Vom gezielten Training waren wir oft weit entfernt. Nur dadurch, daß wir kurz entschlossen einen zweiten Skoter gekauft haben und der viele Besuch in diesem Winter, der uns sehr beim Trailmachen sehr geholfen hat, kamen wir überhaupt noch zum Hundefahren. Aber insgesamt meinten wir, daß die Hunde zuwenige Kilometer gelaufen sind.
Von den neun einsetzbaren Hunden waren acht noch keiner so richtigen Belastungsprobe unterzogen worden. Vier von ihnen sind noch keine zwei Jahre alt. So konnten wir die Leistungsfähigkeit der Hunde nicht so recht einschätzen. Aber auch der Musher wusste nicht, ob er eine solche Distanz durch"stehen" würde. Gemeint ist: "acht bis zehn Stunden auf den Schlittenkufen stehen".
Der einziger erprobte Hund, die Leithündin Beetle fing dann im Februar an zu humpeln. Zwischenzeitlich hatten wir sie probeweise wieder eingesetzt. Da lief sie schon wieder ganz ordentlich, aber am nächsten Tag humpelte sie wieder. Also mussten wir uns schweren Herzens entschließen, sie zuhause zu lassen. Die beiden Youngster, Khan und Klopp mussten die Funktion, das Team anzuführen, übernehmen. Von der Fitness her hatten wir keine Bedenken. Aber würden sie die mentale Belastung, sechs schreiende Grönlandshunde im Nacken, über die Distanz aushalten.
Sie hielten aus und das mit Bravour.
Samstagmorgen: um 3Uhr aufstehen! Für Ursel die größte Leistung am Renntag! Die Hunde haben schnell ihre Suppe bekommen. Nach kurzem Frühstück und letzter Ergänzung der Ausrüstung ging's bei minus 10° zum Startplatz in den Nachbarort Norråker. Der Erste sollte um 6Uhr morgens starten. Die frühe Startzeit war mit den Teilnehmern so abgesprochen, um die morgentliche Kälte nutzen zu können. Für den Tag war Sonne und deutlich über null Grad vorhergesagt. Ausgerechnet als das zweite Gesapnn startete befreite sich Klopp vom Stakeout und rannte wie der Teufel hinterher. Ralf, unser Besuch, der später auch noch starten wollte, rannte sofort hinter Klopp her. Ursel stürzte sich in ihren Volvo und raste los zu der sich noch im Ort befindlichen ersten Straßenüberquerung. Sie hoffte, Klopp dort einfangen zu können. Aber, die Helfer dort sagten:"Zwei Gespanne sind durch, aber ohne einen einzelnen Hund." Konnte ja auch nicht sein, weil der startende Musher sein Gespann nach 500m angehalten, Klopp festgehalten hat und Ralf den Hund übernehmen und zurückbringen konnte. Ralf ist eben gut trainiert. Ich könnt' das nicht. So hat sich die erste Aufregung wieder gelegt.
Am Donnerstag konnten wir beim Start der 3Tagefahrer sehen, wie wenig die Musher mit den schwierigen, weil vereisten Streckenverhältnissen bergab zurecht kamen. Spätestens in der dritten Kurve hat's die schwer beladenen Gespanne umgehauen. Es war wirklich am Rande des Zumutbaren.
Ich habe alle drei Kurven im Startbereich geschafft. Die Mannschaft hatte guten Grund zum Aufatmen. Für mich war das aber nur ein Vorgeschmack, auf das was da noch auf mich wartete. An besagter Straßenüberquerung war erstmal Schluss. Durch die vielen Skoterspuren hatten sich die Leithunde leider ein falsche ausgesucht. Auf der Straße versuchte ich dann, das Gespann über Kommandos auf den richtigen Trail, ein weißes Schneeband auf der Straße, zu bringen. Als die Hunde dorthin kamen, stürzten die Helfer auf die Hunde zu, die sich daraufhin umdrehten und die Straße rauf zu Tankstelle rannten. Ich warf den Anker und wartete. Denn Ursel wollte ja zum 20km entfernten "Parkplatz", die zweite Straßenüberquerung. Es ist die einzige Stelle wo man mit dem Auto nochmal an den Trail kommen kann. Ralf wollte von dort starten, um seine Strecke etwas abzukürzen. Sie mussten dazu an dieser Stelle vorbeikommen. Nach 10 Minuten kamen Ralf und Ursula zu der Stelle, an der ich stand. Sie halfen schnell, das Team zu sortieren und auf den Weg zu bringen. Eine Neckleine gerissen, Vaks lief mal eben frei auf der Straße rum und der Musher hatte schon die Schnauze voll. (Er hätte ganz bestimmt, wenn er gewusst hätte, was die nächsten 10km zu bieten hatten.) Bevor ich eine Meinung äußern konnte, hatten die Beiden mich schon wieder weitergeschickt.
Der Trail forderte alles ab. Crashrisiko: 90%.
Ich dachte nur, wie bringe ich die Hunde zurück oder zum Parkplatz, wenn der Schlitten nur noch Branntholz ist. Mehrfach war ich am Boden und vielfach auf der Kippe. Rechts und links Bäume, unter den Kufen fast nur Eis, vorne diese Wahnsinnigen, die rennen als ob der Teufel hinter ihnen hier ist und hinten drauf ein Musher, der alles versucht. Die Krallenbremse hatte nur schlittenstabilisierende Wirkung, von Geschwindigkeitsreduzierung keine Spur.
Damit die Hunde am Renntag gut draufsind, hatten wir ja - gegen Ursels Willen -
die letzten vier Tage kein Training mehr gemacht. Auch damit wir uns bei den widrigen Wetterverhältnissen auf dem eisigen Trail nicht noch eine Zerrung einhandeln. Die letzte Woche waren wir nur noch spät abends, im Dunkeln gefahren, weil es sonst zu warm war. Auch dann war der Trail schon vereist. Aber dank der vielen Trailarbeit war der in wesentlich besserem Zustand als der Renntrail.
Ja, die Hunde waren wirklich gut drauf!
Nachdem eine längere flache Geradeauspassage kam, konnte ich wieder alles auf dem Schlitten sortieren. Dabei hatte ich bei der rasenden Fahrt das Schild zum Linksabbiegen übersehen. Nach 5km kam ich zu dem Entschluß zu wenden und zurückzufahren. Was auch gut gelang. Ursel kurz übers zufrierende Handy informiert, kam bei ihr nur an:" ...habe mich verfahren ...fahre zurück." Sie verstand: zurück zum Start. So machten sich Helfer sofort auf den Weg, mich zu suchen und Ursel fuhr zurück zum Bus. Als ich dort nicht war, fuhr sie wieder zum Parkplatz, wo ich gerade durch war. Am Parkplatz half Ursel Ralf dann noch beim Start.
Der Rest war nicht mehr so dramatisch und spannend aber weiterhin schwierig.
Bis zum Wendepunkt waren es 54km (inkl. 10km zuviel gefahren). Die Hunde waren gut drauf und liefen kontinuierlich weiter. Immer noch überwiegend Eis unter den Kufen. Das war auch gut so, denn auf den paar Stellen mit Schnee lief der Schlitten überhaupt nicht. Die akurat vorbereiteten Kufen hatte ich mir bereits nach dem Start auf der Straße total ruiniert.
Auf dem Rückweg am Parkplatz nach 75km wartete Ursel, um mir beim Wässern und Snacken der Hunde zu helfen. Das ging alles wie eingeübt. Wie die Amerikaner sagen würden:" Wash, polish and haircut!"
Währenddessen kam eine sehr strapazierte Holländerin mit ihrem Gespann - sechs Sib.Huskies - an. Sie war völlig fertig. Sie liess Schlitten und Hunde einfach stehen und musste erstmal erzählen, was alles passiert war. Ursel konnte beim Wässern gerade noch sehen, wie die Huskies in ihren Volvo einstiegen.
Die Hunde setzten das Rennen ohne Weiteres fort. Die Durchschnittsgeschwintigkeit war für Grönländer immer noch sehr hoch.
Die letzten 10km waren identisch mit den ersten. Aber die Hunde liefen jetzt immer noch flott aber nicht mehr in so wilder Fahrt durch den Wald. So waren die Probleme nicht mehr ganz so groß. Aber da war ja im Wald noch die große Eisplatte in einer Bergabkurve. Ursel erwartete mich, wie mit Handy kurz vorher abgesprochen, kurz vor der Straße am Zieleinlauf mit Ralf, der schon da war. Dabei hatte sie Uli, Rettungsassistent aus Dorotea, mit Kerstin getroffen. Sie hörten Hunde bellen und jemanden schreien hören. Kerstin ist dann ein Stück entgegengelaufen und winkte auch die anderen zu sich. Ein Fünfer-Gespann ohne Musher kam den Berg rauf. Kerstin und Ursel haben das Gespann an den Bäumen fixiert. Uli und Ralf liefen weiter runter. Was war passiert, Uli sagte über Handy, daß ein Musher sich das Bein gebrochen hat. Er war mit seinem Gespann auf der Eisplatte ausgerutscht und mit dem Bein gegen den Baum geknallt. Das Interessante dabei war: ein holländischer Arzt, der in München lebt, wird von einem deutschen Rettungsassistenten, der in Schweden lebt, versorgt. Uli hatt dann schnell alle Rettungsmassnahmen organisiert.
Kurz nach dem Unfall kam ich mit dem Gespann an. Ralf war mir ein Stück entgegen gelaufen, um mich zu warnen, daß der Verletzte auf dem Trail liegt. Ich hielt mein Gespann davor an und wartete bis der Trail wieder frei wurde. Die Hunde schrien nach 95km wie beim Start. Ich dachte: kriegen die denn nie genug? Der Verletzte wurde 200km nach Östersund ins Krankenhaus gebracht und die Hunde von den Helfern versorgt. Rikard, der Rennleiter sagte uns am Samstabend, das er auch noch die Rippen verletzt hat, aber Sonntag wieder entlassen würde. In Schweden geht sowas immer sehr schnell. Hier wird man gleich wieder aus dem Krankenhaus rausgeschmissen.
Zu den Ergebnissen. Unser Team hat die 95km inklusive aller Behinderungen in 7h 50min gelaufen. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12km/h! Der Schnellste war mit Mixed Breeds in 4h 56min, das schnellste Siberier-Team, Nisse Uppström, war in 5h 02min nach 85km im Ziel. Das schnellste Team mit Grönlandshunden war an dritter Stelle nach 95km in 7h 50min da.
Nisse und Karsten Grönas haben in Skandinavien die beiden schnellsten Langstreckenteams mit Siberiern. Getestet auf Femundlopet, Finnmarklopet und Polardistanz.
Unsere Hunde waren im Ziel fit wie ein Turnschuh, was man vom Musher nicht behaupten kann. Aber nicht ganz so tot wie oft auf der Transthüringia nach halber Distanz.
Diese Art Rennen, wozu wir Rikard überredet hatten, war ein Test mit nur fünf Gespannen. Deshalb gab es dafür auch nur inoffizielle Zeiten. Beim 3Tage-Rennen nahmen über 30 Gespanne teil, wovon die Hälfte Nicht-Schweden waren. Rikard und Nisse hat diese Art so gut gefallen, dass er, Rikard, spontan für nächstes Jahr ein Rennen mit 2mal 100km (an zwei Tagen) plant.
Weil während des Zieleinlaufs in Norråker ein Wintermarkt mit vielen Verkaufsständen stattfand, waren dort mehr Zuschauer als bei der Weltmeisterschaft der Offenen Anfang des Monats in Gafsele (120km entfernt).
Wenn man die Zeit der 10km zuviel und die zweimal 10 Minuten, die ich unfreiwillig gestanden hatte, abzieht, ist es eine Laufleistung, die uns sehr begeistert. Heute am Tag danach hat auch keiner gehumpelt - auch der Musher nicht. Er hat aber trotzdem vom Sturz 'nen blauen Hintern.
Für uns ist die Schlittenfahr-Saison jetzt langsam zu Ende. Wir fahren schließlich seit Mitte Oktober auf Schnee. Jetzt fangen wir an unsere Streckenmarkierungen einzusammeln und die Skoter einzumotten. Vor dem ersten Rasenschnitt kommt erst noch der intensive Einsatz der Tauchpumpe, um das Hochwasser aus der Zwingeranlage abzupumpen.
Schöne Grüße aus dem ausklingenden Winter. Auch wenn für diese Woche wieder Kälte und Schnee vorhergesagt sind.
Jörg und Ursula
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